Im Rahmen der Digitalisierung stehen immer mehr kleine und mittlere Unternehmen vor der Frage, wie sie ihr Geschäftsmodell digital erweitern können. Dafür ist es zunächst wichtig, das eigene Kerngeschäftsmodell genau zu kennen. „Das Kerngeschäftsmodell gibt wieder, wer die Kund:innen sind, was die angebotene Leistung ist, wie sich die Wertschöpfungskette zusammensetzt und wie das Ertragsmodell aussieht “, erklärt Philipp Köhn, der im Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Siegen für das Thema Geschäftsmodellentwicklung zuständig ist.

Was das eigene Unternehmen von anderen unterscheidet

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Siegen unterstützt seit vier Jahren kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung. Bei Digitalisierungsprojekten helfen Köhn und sein Kollege Prof. Dr. Guiseppe Strina Unternehmen dabei, ihr Geschäftsmodell digital zu erweitern. Als erstes geht es dann oft darum, vier Fragen zu beantworten, mit denen sich das Kerngeschäftsmodell ermitteln lässt. Diese lauten: Wer sind meine Kund:innen? Was bieten wir für Leistungen an? Wie sieht unsere Wertschöpfungskette aus? Und wie erzielen wir Wert? „Das ist sehr wichtig, um zu verstehen, warum sich das eigene Unternehmen von anderen unterscheidet“, erklärt Strina. Werden bei mindestens zwei dieser vier Kernfragen Veränderungen oder Erweiterungen vorgenommen, spricht man von einer Geschäftsmodellinnovation.

Erster Schritt Chatbot

Wenn die vier Kernfragen beantwortet sind, kann sich das Unternehmen später mit weiteren Fragen beschäftigen. Dabei geht es dann etwa darum, auf welchen Kanälen mit den Kund:innen kommuniziert werden soll. „Oft kommen bei den Fragen ganz überraschende Sachen heraus, die das Unternehmen noch gar nicht auf dem Schirm hatte“, erzählt Strina. Denn viele Firmen haben bereits digitale Komponenten in ihr Geschäftsmodell integriert, ohne groß darüber nachgedacht zu haben.

Strina und Köhn ist es wichtig, auf den Unterschied zwischen einer digitalen Geschäftsmodellerweiterung und einem digitalen Geschäftsmodell hinzuweisen. Denn für die meisten kleinen Unternehmen geht es darum, ihr Geschäftsmodell mit digitalen Komponenten zu erweitern und kein reines digitales Geschäftsmodell einzuführen. „Ein erster Schritt kann zum Beispiel sein, einen Chatbot auf der eigenen Internetseite einzuführen“, erklärt Köhn.

Mit kleinen Schritten anfangen

Auch für ganz kleine Firmen kann es sich lohnen, das Geschäftsmodell digital zu ergänzen. Denn der Einsatz digitaler Technologien kann zum Beispiel interne Arbeitsprozesse vereinfachen, sodass Unternehmen mehr Zeit für ihre Kernaufgabe haben. Zudem können neue Geschäftskanäle erschlossen werden, wenn digitale Lösungen zur Kommunikation mit der Außenwelt genutzt werden. „Kleine Unternehmen haben oft Angst vor großen Investitionen und fangen dann nicht an mit der digitalen Geschäftsmodellerweiterung“, erklärt Giuseppe Strina.

Deshalb empfehlen er und sein Kollege Philipp Köhn, keine Angst vor der Digitalisierung zu haben. „Ich rate dazu, mit kleinen Schritten anzufangen und vielleicht als erstes einen Social Media Kanal einzurichten“, sagt Köhn. Weitere Informationen zum Thema digitale Geschäftsmodellerweiterung gibt es hier auf unserer Themenseite. Der Artikel ist Anfang Oktober im Wirtschaftsreport der IHK Siegen erschienen.